Vereinsgeschichte

Mit Wagen 86 fing alles an...


Auf Gleis 19 abgestellt in der Betriebswerkstatt Friedrichsfelde war dieser Wagen vom Typ AI der Anlass für einige BVB-Mitarbeiter, über die Erhaltung historischer Fahrzeuge nachzudenken. Während es beim Betriebsteil Straßenbahn schon 1972 üblich war, die Historie zu pflegen, war dieser Gedanke den Verantwortlichen der U-Bahn bei der BVB noch fremd. Tatsächlich stand der damalige Betriebsdirektor der Idee ablehnend gegenüber. Und so dauerte es noch einige Jahre, bis die Idee sich auch im U-Bahn-Bereich durchsetzen ließ.


Der Denkmalschutz für den bereits genannten Wagen 86 war 1975 der Anfang, der es dann unmöglich machte das Fahrzeug zu verschrotten. Dennoch dauerte es noch bis zum 12. Februar 1982, bis betriebsintern eine Arbeitsgemeinschaft U-Bahn gegründet wurde, die sich der Erhaltung und Instandsetzung der historischen Fahrzeuge verschrieb. Auch in den nachfolgenden Jahren war es nicht ganz einfach die Fahrzeugsammlung vor der Ausmusterung und Demontage zu bewahren, obwohl schon 1983 einige Fahrzeuge interessierten Besuchern präsentiert wurden. 1985 wurde ein historischer Fahrzeugteil auf dem Bahnhof Klosterstraße in die Neugestaltung der Bahnhofsanlage einbezogen, statt der geplanten Stirnwand wurde es ein Viertel des Wagens. Und 1988 gelang es sogar vom Betriebsdirektor der BVB eine Unterschrift unter die Liste der zu erhaltenden Fahrzeuge (18 Kleinprofilwagen und 2 Loren) zu bekommen.


In der Wendezeit nach 1989 und den damit verbundenen (betriebsinternen) Wirren wurden einige der historischen Fahrzeuge in der S-Bahn-Werkstatt Schöneweide überholt, 1992 wurden sie anlässlich der 90-Jahre-Feier der Berliner U-Bahn auf dem Bahnhof Alexanderplatz ausgestellt. Zu den Kleinprofilfahrzeugen kamen dann auch 4 Wagen vom Fahrzeugtyp C und 3 Wagen vom Typ BI, die viele Jahre in der Aufstellgleisanlage des Bahnhofs Leinestraße abgestellt waren und nun der Verlängerung der Linie U8 weichen mussten. Ihr Zustand war leider sehr schlecht, sie sind auch heute noch nicht wieder alle fahrtüchtig. Ein paar der im Westteil vorhandenen historischen Kleinprofilzüge der Typen AI und AII ergänzten den Wagenbestand der Arbeitsgemeinschaft U-Bahn, dafür wurden von den 18 ursprünglich vorhandenen Wagen der BVB 12 ausgemustert und verschrottet.


Die neu erstellte Wagenliste wurde vom Direktor des Betriebsteils U-Bahn abgesegnet und unterschrieben, so dass nun der Fahrzeugbestand wieder ein gewisses Maß an Sicherheit vor der Schrottpresse erhielt. 1996 kam es zur Vereinsgründung der Arbeitsgemeinschaft Berliner U-Bahn e.V., dem Verein gehörte auch der langjährige Betriebsleiter der U-Bahn an. Während seiner aktiven Arbeitsjahre hatte er bei der BVG bereits viele technische Einrichtungen wie Stellwerkstische, Fahrscheinautomaten und Dienstkleidungsstücke gesammelt, sobald diese ausgemustert wurden. Mit dieser Sammlung ausgestattet wurde die Idee geboren, einen Ort zu finden, an dem diese Stücke der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnten. Die ursprüngliche Idee, diese Sammlung im Verkehrsmuseum (heute Deutsches Technikmuseum Berlin) auszustellen, scheiterte am Desinteresse jenes Museums. Als idealer Ort erwies sich jedoch das alte elektromechanische Hebelstellwerk Olympia-Stadion, das nach seiner Außerbetriebnahme 1983 auf Grund der Initiative eines Mitarbeiters als Bauwerk erhalten blieb. Mit seinen technischen Anlagen wurde es sogar wieder betriebsfähig hergerichtet.


So kam es im September 1997 im Rahmen eines verkehrshistorischen Wochenendes in Kooperation mit anderen Vereinen in Berlin, die die Verkehrshistorie von Omnibus und Straßenbahn pflegen, zur ersten öffentlichen Vorstellung dieser Sammlung. Von da an wurde das Stellwerk mit seiner historischen Sammlung in jedem Monat am jeweils zweiten Sonnabend für Besucher geöffnet. 1999 wurde der Verein als gemeinnützig anerkannt, mit der Teilnahme an der Langen Nacht der Museen in Berlin wurde die verkehrshistorische Sammlung dann zu einem anerkannten Museum. Die AG Berliner U-Bahn betreut weiterhin die historischen Fahrzeuge der BVG - derzeit 32 Wagen - und führt mit diesen Sonderfahrten im U-Bahnnetz durch.