Die Bauart BI


der erste Teilabschnitt einer Großprofilstrecke...BI 001

Der erste Teilabschnitt einer Großprofilstrecke wurde am 30.1.1923 zwischen Stettiner Bhf. (heute Zinnowitzer Str.) und Hallesches Tor eröffnet. Wegen der finanziellen Lage konnten durch die 1922 gegründete Nord-Südbahn AG (NSAG) keine eigenen Fahrzeuge rechtzeitig zur Eröffnung beschafft werden. Die NSAG beauftragte daher die Gesellschaft für elektrische Hoch- und Untergrundbahnen in Berlin (Hochbahngesellschaft) mit der Betriebsführung unter der Bedingung, je 24 Kleinprofil Trieb- und Beiwagen für den Einsatz auf der neuen Strecke entsprechend umzurüsten und einzusetzen. Zum Profilausgleich wurden im Fußbodenbereich an den Wagenkästen Holzbohlen (sog. Blumenbretter) angebracht. Für das Großprofil wurde die von unten bestrichene Stromschiene eingeführt. Auch wurde die Fahrsperrenanlage nach unten verlegt, dementsprechend wurden die Hochbahnwagen den neuen Bedingungen angepasst.

Erst ab 1924 wurden dann die ersten Großprofilfahrzeuge ausgeliefert, die bei der BVG die Typenbezeichnung BI erhielten. Charakteristisch für diese Wagen waren die ovalen Stirnwandfenster, die ihnen den fast legendären Namen „Tunneleule,, einbrachten. Die neuen Wagen besaßen auf jeder Seite drei Doppelschiebetüren, die jedoch noch nicht selbsttätig schlossen. Die in Stahlbauweise hergestellten Trieb- und Beiwagen waren äußerlich gleich gestaltet. Für den Zugbegleiter war erstmals eine separate, seitliche Drehtür an der linken Triebwagenseite eingebaut. Unter dem Zugbegleiterfenster war ein Außenzielschilderkasten angebracht. Mechanisch wurden die BI-Wagen durch Scharfenbergkupplungen verbunden, die starkstrommäßige Verbindung erfolgte über Dachkupplungen, ähnlich wie auch bei den Kleinprofilwagen vom Typ AI. Die Vorrichtungen für den Steuerstrom befanden sich seitlich unter den Wagenenden.

Insgesamt wurden in 5 Lieferungen 74 Trieb- und 111 Beiwagen bis 1927/28 in Dienst gestellt. Es wurden 3-, 4- und 5- Wagenzüge gebildet, die nur an beiden Enden Triebwagen hatten. Alle Wagen hatten Längsbänke; Holz in der 3. Klasse, Polstersitze in der 2. Klasse. Die Triebwagen führten ursprünglich die 3. Wagenklasse und waren gelb lackiert. Die Beiwagen der 1. Lieferung führten die 2. und 3. Wagenklasse und waren gelb – rot lackiert. Ab der 2. Lieferung entfiel dann die Kombination 2. und 3. Wagenklasse. Sie wurden als reine 2. Klassewagen in roter Lackierung oder als reine 3. Klassewagen in Dienst gestellt. Nachdem 1927 die Klassenaufteilung aufgegeben wurde, kamen die roten Wagen als Raucherwagen zum Einsatz. Im Rahmen von Hauptuntersuchungen erhielten dann diese Wagen ebenfalls einen gelben Außenanstrich. Die bei der Hochbahngesellschaft bewährte Schützensteuerung wurde auch bei den neuen Großprofilwagen verwendet.
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Der handbediente Fahrschalter hatte 4 Fahrstellungen bei 12 Schaltstufen. In den Triebwagen der 1. Lieferung kamen verschiedene Fahrmotoren (Db 1151b- SSW, U109b-AEG und GBM 780- Wasseg) mit unterschiedlicher Leistung zum Einbau. Die Triebwagen der 2. und 3. Lieferung erhielten einheitlich die 85 kw Motoren vom Typ GBM 780. Durch die Folgen des 2. Weltkrieges und Brandschäden im Juli 1945 mussten 21 Triebwagen und 30 Beiwagen als Totalverlust verbucht werden. 1953/54 wurden die noch vorhandenen 8 Beiwagen der 5. Lieferung zu Steuerwagen umgebaut. Damit konnten 2- Wagenzüge in verkehrsschwachen Zeiten eingesetzt werden. Nach dem Bau der Mauer verblieben alle noch vorhandenen BI-Wagen im Westteil der Stadt, wo sie bis 1969 auf allen Großprofilstrecken zum Einsatz kamen. Nach ihrer Außerdienststellung wurden einige Fahrzeuge noch betriebsintern genutzt und teilweise zu Arbeitszügen umgebaut. Die letzten beiden BI-Wagen (Steuerwagen), die in den Hilfsgerätezügen der Betriebswerkstatt Britz-Süd und Seestraße mit BII-Triebwagen gekuppelt waren, schieden erst im Laufe des Jahres 2000 und 2001 aus. Sie wurden durch Fahrzeuge der Bauart D ersetzt. Heute noch vorhanden ist ein 3-Wagenzug, der  zur Zeit nicht  betriebsfähig als historischer Zug aufbewahrt wird. Ein weiterer Triebwagen ist in Obhut des Technikmuseums in der Monumentenhalle untergestellt. Anstehende Streckenerweiterungen machten die Anschaffung weiterer Großprofilwagen erforderlich.

 

Übersicht Historische Fahrzeuge Typ BI


Fzg - Nr.: Baujahr Lieferung  Wagenkastenlieferant Bemerkungen
26 1928 20. Busch, Bautzen bis 1968 im Fahrgastverkehr, z.Z. nicht fahrfähig
320 1928 20. MAN bis 1968 im Fahrgastverkehr, z.Z. nicht fahrfähig
66 1928 20. MAN bis 1968 im Fahrgastverkehr, z.Z. nicht fahrfähig

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