Die Bauart AII


neuer Zugtyp für Kleinprofilstrecken...DSCF6815

Im Jahre 1928 beschaffte die Hochbahngesellschaft einen neuen Zugtyp für ihre Kleinprofilstrecken. So wurden in 2 Lieferungen bis 1929 insgesamt je 96 Trieb- und Beiwagen in Dienst gestellt. Die Wagen waren in Stahlbauweise hergestellt, die abgeschrägten Stirnwände verliehen ihnen ein gefälliges Äußeres. Jeder Wagen verfügte über je 2 Doppelschiebetüren, die von Hand bedienbar waren. Zwischen den Türen waren ein kleines, ein großes, und wieder ein kleines Fenster angeordnet. Der Zielschildkasten befand sich mittig oberhalb des Daches. Er war beleuchtet und mit einem Filmband ausgerüstet, worauf alle Zielbahnhöfe angezeigt werden konnten.
Neu war auch die halbselbsttätige Zugsteuerung, bei der die Fahrschalterkurbel durch den Zugfahrer gleich in die Endstellung gebracht werden konnte. Das Nachlaufen der Schaltwalze wurde durch einen Schaltmotor besorgt. Alle AII-Wagen besaßen die Scharfenbergkupplung, mit der die mechanischen und luftmäßigen Verbindungen hergestellt wurden. Ein großer Teil der Beiwagen wurde in roter Lackierung ausgeliefert, wodurch sie als Raucherwagen gekennzeichnet waren. Die übrigen Wagen waren gelb lackiert.

Im 2. Weltkrieg wurden 13 Trieb– und 9 Beiwagen zerstört. Im Jahre 1949 wurde ein Triebwagen (Nr.415) und ein Beiwagen (Nr.870) in der Hauptwerkstatt Grunewald wieder aufgebaut. Bis 1951 folgten dann weitere 10 Wagen, die auf Untergestellen ehem. AI—Wagen entstanden. Diese sog. Wiederaufbauwagen erhielten die Nummern 416—425. Nach dem Mauerbau verblieben 25 Trieb– und 24 Beiwagen bei der BVG-Ost und 69 Trieb– und 64 Beiwagen bei der BVG-West. Letztere baute sie zwischen 1962-1965 für den Einmannbetrieb um. Diese modernisierten Triebwagen waren u.a. an den tiefer heruntergezogenen Stirnwandfenstern erkennbar. Der Fahrerstand wurde weitgehend den modernen A3 Wagen angepasst. Der bisher vorhandene motorisch angetriebene Schleifring-Fahrschalter wurde durch ein platzsparendes Schaltwerk ersetzt. das die vom Schaltpult gegebenen Geschwindigkeitsbefehle automatisch auf die Schaltschütze übertrug. Ferner erhielten die Züge eine druckluftbetätigte Türschließvorrichtung. Im Rahmen dieses Umbauprogramms wurden auch 5 AI-Beiwagen zu AII-Beiwagen hergerichtet, um den vorhandenen Fehlbestand auszugleichen. Bei einem Großbrand am Bhf. Alexanderplatz im Oktober 1972 wurden einige Kleinprofilzüge, die in Ost-Berlin verblieben, zerstört. Infolge dieses Verlustes erwarb die BVB je 20 Trieb- und Beiwagen der Bauart A2 von der BVG, die diese Fahrzeuge entbehren konnte, da dort bereits genug Neubauzüge des Typs A3L vorhanden waren. Da bei der BVB noch die AII-Wagen im Originalzustand in Dienst standen, erhielten die "Westwagen" die Bezeichnung AII U. Beide Typen waren, bedingt durch den Umbau bei der BVG, nicht miteinander kuppelbar. Der Einsatz von AII-Zügen endete bei der BVG-West bereits im April 1973.


Datenblatt zum Herunterladen: pdf

Im Ostteil der Stadt wurden die beiden AII- Bauformen am 5. November 1989 verabschiedet, wodurch somit die letzten Vorkriegszüge ausgemustert werden konnten. Ein Original AII 4-Wagenzug wird für die Nachwelt erhalten, ebenso ein Triebwagen vom Typ A2 im modernisierten Zustand. Beim U-Bahnpersonal wurden die AII-Wagen auch als Amanullah-Wagen bezeichnet, da der gleichnamige König von Afghanistan sich 1928 in Berlin aufhielt und der Legende nach einen der seinerzeit neuen Züge selbst steuern durfte.

Übersicht Historische Fahrzeuge Typ AII


Fzg - Nr.: Baujahr Lieferung  Wagenkastenlieferant Bemerkungen
377 1928 20.

MAN

seit 1989 historischer Wagen, z.Zt. nicht einsatzfähig
404 1928 20.

Waggonfabrik Wismar

seit 1989 historischer Wagen, z.Zt. nicht einsatzfähig
836 1928 20.

Christoph u. Unmack AG Niesky

seit 1989 historischer Wagen, z.Zt. nicht einsatzfähig

848 1928 20. Christoph u. Unmack AG Niesky seit 1989 historischer Wagen, z.Zt. nicht einsatzfähig

 

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