Die Bauart AI


der Urvater aller FahrzeugeA1 212 auf Wa

Der Typ AI ist praktisch der Urvater aller Fahrzeuge der Berliner U-Bahn, denn mit den Wagen dieser Bauart wurde ab 1902 die erste Strecke vom Stralauer Thor zum Potsdamer Platz eröffnet.
Zwischen 1902 und 1926 wurden insgesamt 364 Trieb- und 254 Beiwagen aus 18 verschiedenen Lieferungen in Dienst gestellt. Charakteristisch für diesen Typ ist der rechteckige Wagenkasten mit Oberlichtdach und die zwei von Hand zu bedienenden Schiebetüren an jeder Wagenseite. Die Wagenkästen waren zunächst in Holz, ab 1924 dann in Stahlkonstruktion gefertigt.
Die Anzahl der Fenster unterschied sich bei den einzelnen Lieferungen, so das es 4,5,6 und 8-fenstrige Wagen gab. Zum Kuppeln der einzelnen Wagen, zu einem Zug, diente eine mechanische Spannpufferkupplung, die auch als sog. Hochbahnkupplung bezeichnet wurde. Die elektrische Verbindung zwischen den einzelnen Stromabnehmern erfolgte über eine Starkstromkupplung auf dem Dach der Wagen. Die Steuerstromleitungen befanden sich an den Stirnwänden der Wagenkästen.

Während die Triebwagen der ersten Lieferung über eine direkte Zugsteuerung verfügten, wie sie auch in ähnlicher Form bei der Straßenbahn üblich war, kam ab 1906 die indirekte Steuerung durch Schaltschütze zur Anwendung. Hierdurch war eine Bildung von 8-Wagenzügen möglich. Auch besaßen die Triebwagen der ersten Lieferung nur 3 Fahrmotore, die lediglich den Einsatz von 3-Wagenzügen ermöglichte. Die Triebwagen der 2. Lieferung erhielten bereits je 4 Fahrmotore, wodurch nun der Einsatz von 4-Wagenzügen, bestehend aus je 2 Trieb und 2 dazwischen gekuppelten Beiwagen ermöglicht wurde. In der Regel verfügte jeder Triebwagen über einen Fahrerstand, der mit einer Holzwand vom Fahrgastraum abgetrennt war. Zum Einsatz auf Außenstrecken oder in verkehrsschwachen Zeiten, wurden in der 7. und 14. Lieferung auch sog. Solotriebwagen mit 2 Fahrerständen angeschafft. Wiederum verfügten einige Triebwagen dieser Lieferungen ursprünglich über keinen Fahrerstand und wurden daher als Motorwagen bezeichnet.

Ab 1937 wurden diese Wagen dann nachträglich mit einem Fahrerstand ausgerüstet. Diese Umrüstung erstreckte sich jedoch, auch kriegsbedingt, über mehrere Jahre, so dass die letzten Motorwagen erst 1949 einen Fahrerstand. Bis zur Aufgabe der Klassenaufteilung im Jahre 1927 waren die Triebwagen überwiegend als 3. Klassewagen mit Holzsitzen ausgestattet, während die Beiwagen zumeist die 2. Wagenklasse führten und über Polstersitze verfügten. Bei der 1. - 15. Lieferung waren die 2. Klassewagen im Fensterbereich weiß und im unteren Bereich rot lackiert, während die Wagen der 3. Klasse in diesem Bereich einen gelben Anstrich besaßen. Ab der 16. – 18. Lieferung waren die 3. Klassewagen gänzlich gelb und die 2. Klassefahrzeuge gänzlich rot lackiert. In diesen Wagen wurde zusätzlich eine Trennwand zur Schaffung von Raucher und Nichtraucherabteilen eingebaut. Nach Abschaffung der Klasseneinteilung erhielten dann alle Wagen Polstersitze. Die roten Wagen kamen zumeist als Raucherwagen zum Einsatz. In den 20er Jahren kam es zu größeren Veränderungen im Wagenpark. So wurden 1922/23 je 24 Trieb und Beiwagen, der 1. -3. Lieferung, für den Betrieb auf der Großprofilstrecke, der Nord-Südbahn umgebaut . Bei den Wagen der 1. -4. Lieferung erfolgte eine Verbreiterung der Türen. 33 Triebwagen der   1. -3. Lieferung wurden zu Beiwagen umgebaut und erhielten die Wagennummern der an die Nord-Südbahn abgegebenen Fahrzeuge.

 
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Durch die betriebliche Vereinigung der bisher selbstständigen Schöneberger U-Bahn (heute U4) mit der Hochbahngesellschaft, im Jahre 1926, bekamen deren Wagen ebenfalls neue Nummern. Sie entsprachen technisch und optisch weitgehend den AI Wagen der Hochbahngesellschaft, sie erhielten die Wagennummern 358-369. Weitere 6 „Schöneberger Triebwagen“ aus dem Baujahr 1912 wurden bei der Hochbahngesellschaft zu Beiwagen umgebaut und erhielten dort die Nummern 765 – 770. Einer dieser Wagen war, im Ostteil der Stadt, noch bis in die 80er Jahre im Einsatz und wurde 1990 verschrottet. Versuchsweise wurden 2 AI Beiwagen, in den Jahren 1929/30, mit kombinierten Längs und Quersitzen ausgestattet. Sie erhielten die Wagennummern 515 und 867 und kamen nur sehr selten zum Einsatz. Während des 2. Weltkrieges wurden 72 AI-Wagen völlig zerstört. Davon konnten 12 Fahrzeuge zwischen 1948 und 1951  in der Hauptwerkstatt Grunewald, wieder aufgebaut werden. Dabei erhielten 8 Triebwagen einen völligen Neuaufbau und die neuen Wagennummern 440-447. Ein weiterer Umbau von AI-Fahrzeugen zu Großprofilzügen erfolgte in den Jahren 1945-46. Ihr Einsatz erfolgte auf der damaligen Linie E, die ab 1949 der BVG-Ost unterstand. Die Typenbezeichnung dieser 41 Trieb und 39 Beiwagen wurde in AIK geändert. Infolge mangelnder Glühlampen erhielten diese Wagen eine Innenraumbeleuchtung mit Leuchtstoffröhren.

Im Westteil der Stadt begann man in den 50er Jahren die AI-Züge etwas zu modernisieren. Im Innenraum wurden modernere Lampen eingebaut, die Außenzielschildkästen wurden durch Innensteckschilder ersetzt. Statt der markanten Topflampen zur Zugsignalisierung an den vorderen Stirnwänden der Triebwagen kamen kleinere Lampen zum Einbau, die direkt in die Außenbleche eingelassen waren. Ab 1957 begann die BVG-West die nunmehr ältesten Wagen auszumustern. Die letzten Wagen mit Holzaufbau waren bis 1966 ausgesondert, während die Wagen, der 16. -18. Lieferung, mit stählernen Wagenkasten, noch bis 1968 im Einsatz blieben. Der endgültig letzte Einsatztag von AI Zügen im Westnetz war der 27.12.1968.Nach dem Mauerbau verblieben 52 Trieb und 35 Beiwagen bei der BVG-Ost, zum Einsatz auf der Linie A, zwischen Pankow und Thälmannplatz. Nach Zuführung der neuen  EIII-Wagen für die Linie E, wurden die dort eingesetzten AIK-Wagen zwischen 1963 und 1970 schrittweise wieder für den Betrieb auf der Kleinprofilstrecke zurückgebaut und als Typ AIU bezeichnet. Nachdem 1970 die ältesten 12 Trieb und 6 Beiwagen ausgemustert wurden, erhielten die restlichen AI-Wagen, ab Dezember gleichen Jahres, neue EDV gerechte Wagennummern. Bei einem Großbrand in der Kehranlage des Bahnhofs Alexanderplatz, im Jahr 1972 gingen 8 AI Trieb und 6 Beiwagen verloren und mussten verschrottet werden. Mit der Serienlieferung der neuen Bauart GI im Jahre 1978, begann eine 2. Ausmusterungsetappe die 1982 endete. Ab 1984 erhielten die noch verbliebenen AI-Züge, im Rahmen einer Hauptuntersuchung, einen neuen Anstrich in hellelfenbeinbeige/gelb (vertikal). Durch Auslieferung neuer moderner Fahrzeuge konnten bis November 1989 dann schließlich alle Altbaufahrzeuge ausgemustert werden. Der letzte Einsatztag der AI-Züge in Ost-Berlin am 5. November wurde mit einer Abschiedsfahrt würdig gefeiert und ist in die Geschichte der Berliner U-Bahn eingegangen. Insgesamt sind 8 Wagen der 6., 8., 14., 16. und 18. Lieferung für kommende Generationen aufgehoben worden. Fahrzeuge aus den ersten Lieferungen sind leider nicht mehr erhalten, sie wurden bereits Mitte der 30er Jahre ausgemustert und verschrottet.

 

Übersicht Historische Fahrzeuge Typ AI


 

Fzg - Nr.: Baujahr Lieferung  Wagenkastenlieferant Bemerkungen
7 1926 18. Busch, Bautzen seit 1970 historischer Wagen, z.Zt. für Sonderfahrten im Einsatz
86 1908 8. Waggonfabrik Falkenried, Hamburg seit 1970 als Lagerwagen verwendet, 90er Jahre Beginn Aufarbeitung historischer Zustand von 1908
212 1913 14. MAN seit 1961 als Überführungswagen verwendet, seit 1990 historisches Fahrzeug, 2001 Neulackierung in den Hochbahnfarben von 1913, 2002—2008 Rückbau Fahrgastraum in 2. und 3. Wagenklasse, steht zu besonderen Anlässen für Sonderfahrten zur Verfügung
262 1925 16. H. Fuchs, Heidelberg 1937 Umbau mit seitl. Zugbegleitertür, seit 1990 historischer Wagen, steht für Sonderfahrten Einsatzfähig bereit
294 1926 18. Van der Zypen & Charlier, Köln seit 1990 historischer Wagen, steht für Sonderfahrten Einsatzfähig bereit
302 1926 18. Orenstein & Koppel von 1968– 2003 Arbeitswagen (HGZ) im Wiederaufbau durch die AGU bis 07-2012, steht für Sonderfahrten Einsatzfähig bereit
722 1924 16. Gebrüder Credé & Co Kassel seit 1970 historischer Wagen, steht für Sonderfahrten Einsatzfähig bereit
737 1925 17. Gebrüder Credé & Co Kassel seit 1970 historischer Wagen, steht für Sonderfahrten Einsatzfähig bereit

 

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